HOLZSCHUTZMITTEL
Einleitung
Es taucht immer wieder die Frage auf, ob der Gebrauch von Holzschutzmitteln und vor allem ihre Anwendung in Innenräumen zu Gesundheitsbelastungen führen kann.
- 1978 hatte das Bundesgesundheitsministerium die Bevölkerung erstmals vor der großflächigen Anwendung von PCP-haltigen Holzschutzmitteln in Innenräumen gewarnt.
- 1989 erließ die Bundesregierung ein Verbot für Pentachlorphenol (Wirkstoff in Holzschutzmitteln)
- In jüngerer Vergangenheit gab es auch immer wieder Anlässe zu Diskussionen (z. B. der bekannte Holzschutzmittelprozeß der Firma DESOWAG.
- Im folgenden sollen Sie einen Überblick über die wichtigsten Holzschutzmittel und deren Wirkstoffe erhalten.
Holzschutzmittel 
Holzschutzmittelverzeichnis
Holzschutz umfaßt alle Maßnahmen zur Erhaltung von Holz und Holzwerkstoffen. Man unterscheidet dabei den konstruktiven, physikalischen und chemischen Holzschutz.
Chemische Holzschutzmittel (im folgenden: HSM) umfassen nach einer Definition des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes folgende 3 Stoffgruppen:
- vorbeugend wirkende Mittel zum Schutz vor holzzerstörenden Pilzen und Insekten und Mittel zum Schutz des Holzes vor verfärbenden Pilzen
- Mittel zur Bekämpfung holzzerstörender Insekten mit Schutzwirkung gegen Neubefall
- Mittel zur Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen (Schwamm) in Mauerwerk.
Nach ihrer stofflichen Zusammensetzung, ihrer Wirkungsweise und den Einsatzbereichen lassen sich HSM unterteilen in
- wasserlösliche Mittel zur vorbeugenden Behandlung
- ölige Mittel zur vorbeugenden Behandlung (Teerölpräparate, lösemittelhaltige Präparate und steinkohlenteerhaltige Präparate)
- Präparate für besondere Anwendungsgebiete (Pasten, Mittel zur Schwammbekämpfung, u. a.)
Tab. 1: Verbraucherorientierte Einteilung von Holzschutzmitteln (Aus: Umweltbundesamt 1992)
lösemittelhaltige Produkte
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HSM Typ
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Definition
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Funktion
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Lösemittelhaltige Produkte ohne Bindemittelanteil
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Org. Wirkstoffe in org. Lösemitteln ohne nennenswerte anstrichtechnische Zusätze
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ausschließlich Holzschutz
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HS-Grundierungen
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Org. Wirkstoffe in org. Lösemitteln mit Bindemittel, z.T. auch wässrig
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Holzschutz + Grundierung für nachfolgende Anstriche; z.T. auch umgekehrt
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HS-Lasuren
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wie vor, doch in der Regel höherer Bindemittelgehalt und zusätzlich Pigmente (als Sonderfall auch ohne Pigmente)
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Oberflächenanstrich mit zusätzlicher Holzschutzfunktion
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HS-Farben
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wie vor, aber höherer Feststoffanteil
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wie vor, jedoch biozide Holzschutzfunktion fraglich, z.T. auch nicht ausdrücklich erwartet
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ölige Produkte
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HSM Typ
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Definition
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Funktion
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Teerölhaltige HSM
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reine Teeröle (= Carbolineen) oder Teeröl mit Lösemittelanteil z.T. zusätzliche Wirkstoffe
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Holzschutz im Außenbau, z.T. Dunkelfärbung erwünscht
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wässrige Produkte
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HSM Typ
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Definition
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Funktion
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HS-Salze
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anorganische Salze z.T. als Festsalz, als Flüssigsalz, als Vorlösung oder anwendungsfertige Lösung
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ausschließlich Holzschutz
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sonstige wasserlösliche/verdünnbare HSM
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organische, wasserlösliche Verbindungen, Auslieferung flüssig
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ausschließlich Holzschutz
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Wirkstoffe
Chemische Holzschutzmittel enthalten biozide Wirkstoffe.Insgesamt werden bei HSM-Salzen etwa 25, bei den übrigen HSM 50 verschiedene Biozide eingesetzt. Gehäuft treten dabei Borverbindungen, Chromsalze und Pyrethroide auf.
Prüfprädikate 
Iv = gegen Insekten vorbeugend wirksam
P= wirksam gegen Pilze (Fäulnisschutz) Dieses Prädikat wird nur erteilt, wenn auch vorbeugende Wirksamkeit gegen Insekten (Iv) nachgewiesen ist. Bei Holzschutzmitteln, die ausschließlich zur Verwendung bei der Herstellung von Holzwerkstoffen bestimmt sind, kann der Nachweis der vorbeugenden Wirksamkeit gegen Insekten entfallen, wenn eine Gefährdung ausgeschlossen ist.
W = auch für Holz, das der Witterung ausgesetzt ist, jedoch nicht im ständigen Erdkontakt und nicht im ständigen Kontakt mit Wasser.
E = auch für Holz, das extremer Beanspruchung ausgesetzt ist (Erdkontakt, fließendes Wasser o.ä.)
Geprüfte Qualität 
Bei der heutigen Produktvielfalt wird die Wahl oft zur Qual. Erleichtert wird Ihnen die Entscheidung beim Kauf durch zwei wichtige Zeichen, die von neutraler Stelle vergeben werden. Merken Sie sich diese beiden Zeichen, denn auf die können Sie sich verlassen.
Blauer Engel
Mit diesem Umweltzeichen sind Produkte für den Oberflächenschutzvon Holz, also sog. Holzveredelungen, gekennzeichnet. Sie dürfen nur wenig Lösungsmittel (unter 10 %) und keine Wirkstoffe gegen holzzerstörende Pilze und Insekten enthalten.
Gütezeichen RAL Holzschutzmittel 
Dieses Zeichen kennzeichnet alle abgesicherten Holzschutzmittel-Produkte, die Holz vor Insekten schützen.
Das bedeutet:
- die Wirksamkeit gegen Holzschädlinge und Hausschwamm im Mauerwerk ist amtlich geprüft
- die gesundheitliche sowie umweltbezogene Unbedenklichkeit bei betimmungsgemäßer Anwendung ist amtlich bewertet
- die Produktion wird amtlich überwacht
- die Wirkstoffe sind in Art und Menge auf der Packung deklariert
Holzschutzmittel für tragende Holzbauteile 
- Tragende Teile in baulichen Anlagen müssen geschützt werden.
- Dafür dürfen nur HSM eingesetzt werden, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft ist. Sie unterliegen den Prüfzeichenverordnungen der Länder und erhalten das Prüfzeichen des Instituts für Bautechnik in Berlin, wenn ihre Brauchbarkeit nachgewiesen ist
Holzschutzmittel für nichttragende Holzbauteile 
- Für den nichtkonstruktiven Holzbau ist ein Prüfbescheid des Instituts für Bautechnik gesetzlich nicht erforderlich.
- Für Holzschutzmittel, die dafür zum Einsatz kommen, vergibt die Industrie seit 1986 ein sogenanntes RAL-Gütezeichen (RAL-GZ 830, s. Abb. 1), welches die Wirksamkeit der damit gekennzeichneten Produkte bescheinigt und ihre Unbedenklichkeit für Umwelt und Gesundheit gewährleisten soll.
- Das ehemalige Bundesgeundheitsamt hat hierfür Rahmenempfehlungen erarbeitet, welche genaue Angaben zur Toxizität, zur Abgabe an die Umwelt und ökologischen Auswirkungen enthalten.
- Die Industrie hat sich bereiterklärt, ihr Gütezeichen nur zu vergeben, wenn die Rezeptur des Mittels dem ehem. BGA bekannt ist und die Rahmenempfehlungen eingehalten sind
Wirkstoffe in Holzschutzmitteln 
- Eine gesundheitliche Bewertung von Holzschutzmitteln bzw. der in ihnen enthaltenen Wirkstoffe ist schwierig und setzt einen hohen toxikologischen Kenntnisstand voraus, wie er sicher nicht für alle gegeben ist.
- Generell sollte aber immer von dem Minimierungsgedanken ausgegangen werden: Jede unnötige Einwirkung von Chemikalien auf den Menschen gerade im Wohnbereich sollte vermieden werden.
- Eine Hilfestellung bei der Beurteilung der Wirkstoffe im chemischen Holzschutz gibt eine Positivliste, die das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (ehemals das Bundesgesundheitsamt) aufgestellt hat und welche jährlich neu erscheint (siehe Tab. 3).
- Stoffe, die in dieser Liste nicht aufgeführt sind, werden für eine Anwendung im Holzschutz nicht empfohlen oder sind bisher für den chemischen Holzschutz nicht bewertet worden.
Positivliste der Wirkstoffe in Holzschutzmitteln (nach: Bundesgesundheitsamt 1986, 1995 und mdl. Mitt. von 1996)
Anorganische Borverbindungen (B-Salze)
Anorganische Fluorverbindungen
Hexafluorsilikate (Silicofluoride, SF-Salze)
Chrom-VI-Verbindungen
Chrom-, Bor- und Fluorverbindungen (CFB-Salze)
Chrom-Kupfer-Verbindungen (CK-Salze)
Chrom-, Kupfer-, Borverbindungen (CKB-Salze)
Chrom-Kupfer-Fluorverbindungen (CKF-Salze)
Chlororganische Verbindungen
Lindan
Cyclohexyldiazeniumverbindungen
Cu-HDO [Bis- (N-Cyclohexyldiazenium-dioxy)-Kupfer]
Xyligen Al [Tris(N-Cyclohexyldiazeniumdioxy)-Aluminium]
Xyligen-K (N-Cyclohexyldiazenium-dioxy-Kalium-Hydrat)
Quaternäre Ammoniumverbindungen
Dimethyl-benzyl-alkyl (C12-C14) ammoniumchlorid
N,N-Didecyl-N-methyl-poly(oxethyl)-ammoniumpropionat
Didecylpolyoxethylammoniumborat
Pyrethroide
Cyfluthrin
Cypermethrin
Deltamethrin
Permethrin
Sonstige organische Wirkstoffe
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